„Bionik ist die systematische Erforschung der Errungenschaften der biologischen Evolution und Überprüfung auf deren Verwendbarkeit im technischen Bereich.“ (gekürzt)

Prof. Dr. Antonia Kesel, Leiterin Studiengang Bionik Hochschule Bremen

 

Dieses Zitat ist einer von vielen Versuchen, die Bionik innerhalb eines Satzes zu erklären. Am einfachsten und eingängigsten kann man die Bionik wohl so erklären:

Bioniker lernen von der Natur und nutzen die dabei gewonnenen Ideen in der Technik.

Dabei ist es besonders wichtig, dass man zunächst die Natur erforscht und gut versteht. Erst dann kann ein neu erforschtes Prinzip effektiv genutzt werden, wie das Beispiel der Klette zeigt:

Die Früchte der Kletten, selbst meist Kletten genannt, würden uns als Haftmechanismen kaum gute Dienste leisten. Sie sind nicht dafür ausgelegt an Schuhen zum Verschließen befestigt zu werden. Auch eine naturgetreue Nachbildung aus anderen Materialien hätte wohl kaum einen so vielfältigen Einsatz im menschlichen Alltag gefunden. Erst als der Haftmechanismus der Kletten genau verstanden wurde, war eine erfolgreiche Übertragung möglich, die zum Verkaufsschlager „Klettverschluss“ geführt hat.

Die Erkenntnisse werden also nicht eins zu eins übernommen, sondern müssen abstrahiert und auf das technische Problem übertragen werden. Die Natur bietet eine riesige Vielfalt an unterschiedlichen Lebewesen, die Vorbilder für Innovationen in Bereichen wie Konstruktion, Aerodynamik oder Materialwissenschaften sein können. Aber auch abseits dieser Bereiche findet die Bionik viele, sehr spannende Anwendungen.

Für jüngere Leser möchten wir hier auf einen Beitrag der Sendung mit der Maus hinweisen. Sowie auf diese spannende Löwenzahnsendung.

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Österreichische 25 Euro Sondermünze aus dem Jahr 2012: Die von Thomas Pesendorfer und
Herbert Wähner entworfene Münze mit dem Titel Bionik zeigt verschiedene Motive mit hoher Relevanz im Bezug auf Bionik. Quelle: commons.wikimedia.org, Fotografiert von: NobbiP

Bionik als Prozess

Was war zuerst da? Das Problem oder die Lösung? In der Bionik sind beide Varianten möglich. Beim Techno-Pull-Prinzip wird für ein konkretes technisches Problem eine Lösung aus der Natur gesucht. Wird dagegen zuerst eine innovative Lösung in der Natur durch einen Forscher gefunden, kann daraus nach dem Bio-Push-Prinzip ein entsprechendes bionisches Produkt entwickelt werden. Die Bionik kann also beides. Quasi aus dem Nichts werden neue Ideen für Produkte generiert, aber auch auf existierende Problemstellungen kann mit einem gezielten Lösungsprozess reagiert werden.

Bionik und Nachhaltigkeit

Oft wird Bionik in direktem Zusammenhang mit Nachhaltigkeit genannt. Jedoch sind diese beiden Begriffe nicht automatisch gleichzusetzen. Der nachhaltige Nutzen einer bionischen Erfindung hängt von dem Ziel ab, mit dem die bionische Forschung betrieben wurde. Nachhaltigkeit ist in der Tier- und Pflanzenwelt auf verschiedenste Weise überall vertreten. Deshalb liegt es nahe, bewusst diese nachhaltigen Lösungen auf die Technik zu übertragen.